Selbst der strengste Winter hat Angst vor dem Frühling

eigentlich sollte es Frühling sein. Frühling ist Aufbruch und das Zurückkommen der Wärme und des Lichts. Leider erleben wir viel Beunruhigendes. Kriege, verrückte Entscheidungsträger, hohe Ölpreise, schwächelnde Wirtschaft. Das belastet, macht Angst. Diese Angst verbindet sich mit Ängsten, die wir sowieso schon in uns tragen. Angst davor, Mangel und Schmerzen erleiden zu müssen, angegriffen zu werden, „es“ nicht zu schaffen. Ängste, die wir womöglich schon lange, schon immer, in uns tragen, werden durch äußere Situationen, wie wir sie heute erleben, getriggert. Auch, wenn die geopolitischen Kriege weit weg sind, triggern sie möglicherweise in uns das Klima von „Krieg“, das wir kennengelernt haben, das wir in der Kindheit als Trauma erlebt haben. Krieg heißt, missachtet zu werden, gedemütigt, entrechtet, verletzt. Das kennen wir alle, oder zumindest viele von uns, und tragen es als unverarbeitete Erfahrung in uns. Wenn sich das Aktuelle mit dem Alten vermischt, können wir nicht mehr einschätzen, wie bedrohlich die Gefahr, die wir wahrnehmen, im Augenblick wirklich ist. Es fühlt sich an wie existenziell und gefährlich, aber wir können nicht beurteilen, ob es das im Augenblick wirklich ist oder nur früher, in der Traumastituation, so war.

Dieser Gedanke: „Das Alte und das Aktuelle vermischen sich. Ich muss prüfen, wie bedrohlich das Aktuelle tatsächlich ist!“, ist wichtig, um Beruhigung in das Erleben und ins Nervensystem zu bringen.

Es gibt noch zwei weitere Aspekte, die sehr wichtig sind, um das Nervensystem zu regulieren: sich in der Angst ernst nehmen und Bindung. Sich von der Angst abzulenken oder auf sie zu zu rennen, indem man sich die ganze Zeit mit Angstmachendem beschäftigt, führt zu zunehmender Angst. Sich jedoch ernst zu nehmen in der Angst, sie zuzulassen, sich darin liebevoll zu beachten, anzuerkennen, dass man reale Gründe hat sich zu ängstigen und die Angst, erst recht in der Traumasituation früher, vollkommen berechtigt war, reguliert das Nervensystem.

Wenn Du Dich ernst nimmst in dem, was du fühlst, z.B. Deine Angst, dann ist endlich jemand da, der oder die sich Dir zuwendet, Dir glaubt und Dich achtet. Das beruhigt!

Das zweite Wichtige zur Regulierung des Nervensystems in beängstigenden Zeiten ist die Bindungserfahrung mit einem Menschen. Wenn es jemand Liebevolles in deinem Umfeld gibt, eine Freundin, ein Nachbar, eine Verkäuferin oder ein Therapeut, und Du Dich von diesem Menschen geliebt fühlst, beruhigt sich Deine Angst. Meistens sofort.

Nur mit reguliertem Nervensystem kannst Du überprüfen, inwiefern Du bedroht oder nicht bedroht bist und was Du tun kannst, um Dich zu schützen.

In den allermeisten Fällen bist Du gerade nicht in Lebensgefahr und kannst Dir erlauben Dich jetzt zu entspannen. Jetzt! Wenn nachher eine reale Bedrohung kommt, kannst du darauf reagieren und Dich schützen. Die Angst ist ja eigentlich Deine Freundin! Sie ermöglicht Dir, Dich zu schützen, indem sie Dich auf Gefahren hinweist und Dir die notwendige Kraft und Impulse zur Verfügung stellt, Dich in Sicherheit zu bringen. 

Es kann doch noch ein schöner Frühling werden! Die Unaufhaltbarkeit der zu uns kommenden Wärme und des Lichts im Außen sind uns sicher. Mit ihnen kannst du in Resonanz gehen und Dich von ihnen an die Wärme und das Licht, das Du bist, erinnern lassen. Das ist auch eine Wohltat für Dein Nervensystem.

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