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ein gesundes Selbstbewusstsein ist eine wichtige Voraussetzung für ein glückliches Leben. Gesundes Selbstbewusstsein bedeutet, sich an sich selbst freuen zu können. Es geht dabei nicht darum, sich selbst gut oder toll zu finden. Sowohl positive als auch negative Bewertungen sind immer nur vorübergehende Erscheinungen. Eine positive Bewertung, z.B. ein Lob, das jemand anderes uns ausspricht, freut uns für einen kurzen Moment, birgt aber schon die Gefahr in sich, dass aus der positiven Bewertung schnell eine negative werden kann. Das wollen wir vermeiden und strengen uns an. Das Ringen um positive Bewertungen ist ein Hauptfaktor für zermürbenden Stress.
Beim Entwickeln von Selbstbewusstsein geht es NICHT um Bewertungen, es geht um die Erfahrung, wer Du jenseits aller Bewertungen bist. Indem Du Dir Deiner selbst bewusst wirst, entwicklest Du Selbst-Bewusstsein. Und das ist die Voraussetzung für echtes, gesundes, stabiles Selbstbewusstsein. Ein Bewusstsein über Dich selbst, auf das Du Dich verlassen kannst, das Dir hilft Dich im Leben zu orientieren, in dem Du weißt, was Dir wichtig ist und was nicht, was Du brauchst und was nicht, was Du geben kannst und was nicht.
Gesundes Selbstbewusstsein entwickelt sich im Laufe des Heranwachsens durch positive Resonanz durch die Eltern und dadurch, dass man Dir etwas zutraut. Wenn Du die Erfahrung gemacht hast, dass Du so sein durftest wie Du bist, mit Deinen individuellen Eigenschaften, Fähigkeiten und Grenzen, wenn Du erfolgreich sein und scheitern durftest und wenn Du für all das und mit alledem geliebt wurdest, und wenn Du ausprobieren durftest, was und wie Du Dich in die Welt einbringen willst, dann konntest du ein sattes, gesundes herrliches Selbstbewusstsein ausbilden.
Die meisten von uns haben aber andere Erfahrungen in der Kindheit gemacht. Die Eltern hatten keine Kapazität, das Kind zu sehen, zu verstehen und zu fördern. Es wurde übersehen, bekämpft oder benutzt. Es musste sich anpassen, weitmöglichst unsichtbar oder lieb sein, oder schlau oder besonders oder was auch immer - jedenfalls genauso, wie die anderen, die Eltern, es aushalten konnten.
Dieses so sein Müssen, wie die anderen es haben wollen, untergräbt das Wachsen eines gesunden Selbstbewusstseins. Es führt zu Selbstverleugnung und Selbstverneinung und zu Selbstüberhöhung. Letzteres als Ausgleich.
Die Selbstüberhöhung ist trickreich. Sie ist nur dann von einer gesunden Freude an sich selbst zu unterscheiden, wenn wir um die Qualitätsanalyse von Freude wissen: Freude entsteht aus dem Anerkennen, Zulassen und würdigen können dessen was ist. Freude ist die Reaktion auf das Gelingende, auf das Vorhandene, das als Geschenk erlebt wird. Ein vitaler, sprudelnder, offener Zustand, dem Du erlaubst, Dich zu erfassen.
Freude richtet sich auf das, was da ist. Neben dem Gelingen und der Fülle ist in der Freude immer auch das Bewusstsein um die Mühen und Grenzen. Das Schwere tritt in der Freude in den Hintergrund, ist aber einbezogen. So ist die Freude bodenständig und stabil. Im Gegensatz zur Euphorie. Sie ist abgehoben. Dem Realen enthoben.
Selbstüberhöhung ist ebenfalls dem Realen enthoben. Darin nehmen wir uns wahr als allmächtig, großartig, größer, als wir sind. Sich allmächtig zu fühlen gehört in der kindlichen Entwicklung zu dem Alter von etwa zweieinhalb bis fünf Jahren. Das heißt, da, wo wir uns allmächtig fühlen (meist ohne es zu merken), sind wir höchstens fünf Jahre alt. Wir fühlen uns z.B. allmächtig darin zu glauben, dass wir heute, in unseren Beziehungen, unser Gegenüber verändern könnten. Wenn wir nur noch mehr so seien würden, wie wir gegenüber den Eltern sein mussten, um Beachtung zu gewinnen, dann würde der andere oder die andere sicher liebevoller, aufmerksamer, wertschätzender usw. werden. Im Laufe unseres Lebens kriegen wir mit, dass das nicht klappt.
Selbstüberhöhung ist auch, wenn wir gegen jede Vernunft unser Überlebensmuster intensivieren. Wenn wir z.B. in einer Phase von Belastung, immer noch mehr von dem machen, was uns vorher auch schon geschadet hat (ein Übermaß an Ablenkung, Suchtmittelkonsum, Liebsein, Unterordnung, Kampf usw.). Die Steigerung der Überlebensstrategie ist der Versuch, die anderen zwingen zu wollen, Dir das zu geben, was Du glaubst, was Dir zusteht. Auch das wird nicht klappen! Die anderen und schon gar nicht "das Schicksal" (was auch immer das ist) werden sich zwingen lassen, sich so zu verhalten, wie Du es willst.
Die Selbstüberhöhung ist eine Traumafolge. In der Traumasituation haben wir aus Angst zu sterben, an der Überzeugung festgehalten, dass wir mit unserem Verhalten uns selbst, den Familienfrieden und Mama oder Papa retten könnten. Wir glaubten erreichen zu können, dass sie endlich ihr Herz für uns öffnen, damit die Liebe, die wir ersehnten, fließen könne. Das hat (sehr) begrenzt geklappt und hat damit Entlastung geschaffen.
Neben unseren Selbstzweifeln und Ängsten an unsere Allmacht zu glauben, war in der damaligen Situation notwendig, um überleben zu können. Wenn wir jedoch heute noch an der Überzeugung festhalten, wir könnten, indem wir unsere Begrenztheit und Ohnmacht ausblenden, Kontrolle über das Leben gewinnen, ist das verrückt! Es laugt uns aus und macht uns zu Narren!
Ein Narr oder eine Närrin ist eine Person, der es an Vernunft mangelt, die sich töricht verhält. In den Hinsichten, in denen wir im Innern immer noch um unser Überleben kämpfen, verhalten wir uns wie Narren. Es kann schlimme Folgen haben, wenn wir uns weigern die Realität unseres Begrenztseins anzuerkennen.
Was es nun braucht ist, dass wir uns in unserer Weigerung und unserem Verstricktsein in Selbstüberhöhung, liebevoll beachten! Da, wo wir uns wie Narren verhalten, bestehen wir auf kindlich trotzige Weise darauf, das Recht zu haben, das zu bekommen, was wir glauben, was uns zusteht (z.B. geliebt und geachtet zu werden). Vielleicht haben wir das Recht, aber es nützt uns nichts. Wir können es nicht erzwingen!
Wir können die Welt nicht dazu zwingen so zu sein, wie wir sie haben wollen und können andere Menschen nicht zur Liebe zwingen! In der Not, die sich in unserem Trotz verbirgt, brauchen wir das, was ein trotziges Kind auch brauchen würde: liebevolle Zuwendung und die Unterstützung, den Schmerz zu verkraften, nicht alles haben zu können, was wir wollen und andere nicht dazu zwingen zu können, uns zu lieben. Es ist der Schmerz unseres Begrenztseins.
Unsere Strategien in dieser närrischen Weise auf uns zu bestehen, sind oft schwer zu erkennen. Es ist schmerzhaft, sich das eigene Begrenztsein und die Ohnmacht eingestehen zu müssen. Wenn wir uns dem zuwenden, stoßen wir auf unsere Selbstzweifel, Kleinheitsgefühle und den Selbsthass, den wir mit Selbstüberhöhung zu überwinden versuchen. Kurz: wir entdecken den Narzisten, die Narzistin in uns. Das kann weh tun!
Der Weg der Selbstbejahung und der liebevollen Selbstbeachtung kann Dir helfen, diese verborgene Dynamik und die Not aufzuspüren, sie ans Licht zu bringen, um ihr mit liebevollem Verständnis zu begegnen.
Wenn Du Dir dabei Unterstützung wünscht, dann komm gerne z.B. zu der Veranstaltung "Brigitte begleitet". Vielleicht ergibt es sich, dass wir miteinander schauen können, wo Du stehst und was Du brauchst.
Auch ein Seminar, Retreat oder die Ausbildung könnten Möglichkeiten sein, zusammenzuarbeiten. Vielleicht ist das gerade das Richtige für Dich. Wenn ja, melde Dich gerne bei mir!
herzliche Grüße
Brigitte |