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obwohl der Sommer, die Zeit von Wärme und Licht, mit Freude und Lebenslust verbunden sein könnte, erleben Viele stattdessen Schwere und Belastung. Die Hoffnung, im ersehnten Sommerurlaub Erholung zu finden, lässt Viele noch ein bisschen länger durchhalten.
Viele Menschen kennen immer wiederkehrende Zustände von Kraftlosigkeit, Ausgelaugtheit und Erschöpfung. Wenn solche Zustände lange anhalten, besteht die Gefahr einer Erschöpfungsdepression und eines Burnouts. Das Thema Erschöpfung betrifft uns letztlich alle, vermutlich immer wieder im Laufe unseres Lebens.
Dabei lohnt es sich, zwischen zwei Formen der Erschöpfung zu unterscheiden. Es gibt die gesunde Erschöpfung als Folge einer Anstrengung. Nach einer Phase der Erholung – zum Beispiel im Urlaub – regenerieren wir uns wieder. Das ist eine normale und gesunde Reaktion auf eine vorübergehende Belastung.
Demgegenüber steht die zermürbende, quälende Erschöpfung, die auch dann bestehen bleibt, wenn die äußere Belastung vorübergehend nachlässt. Obwohl die Arbeit weniger wird oder eine Belastung wegfällt, verschwindet die Erschöpfung nicht. Denn das, was sie aufrechterhält, bleibt bestehen: die Angst vor den möglichen schlimmen Folgen, wenn ich mein Ziel nicht erreiche oder mein Arbeitspensum nicht schaffe.
Diese Angst erzeugt einen Stress, der sich nicht einfach durch Erholung auflösen lässt. Sie entsteht aus unseren Gedanken: Wir stellen uns vor, was alles Schlimmes passieren könnte, und vertrauen nicht darauf, dass sich – trotz aller Schwierigkeiten – auch eine gute Lösung entwickeln kann. Wir fürchten, zu versagen, zusammenzubrechen oder anderen Menschen zu schaden, wenn wir nicht alles schaffen.
Woher kommt diese Angst? Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: aus traumatischen Erfahrungen.
Die damalige Erfahrung war: Es gab eine Belastung, die sich existenziell bedrohlich anfühlte – etwa durch Nichtbeachtung, Kontrolle, Abwertung, Gewalt oder Missbrauch durch Eltern oder andere Erwachsene. Ihr wart einer vollständigen Ohnmacht ausgeliefert und konntet dieser Situation nicht entkommen.
Um diese Ohnmacht nicht fühlen zu müssen, habt Ihr Überlebensmuster entwickelt. Sie vermittelten Euch das Gefühl, wenigstens irgendetwas tun zu können. Die Realität war jedoch: Ihr wart tatsächlich ohnmächtig.
Auch heute geraten wir immer wieder in Situationen, in denen wir an unsere Grenzen stoßen und Ohnmacht erleben. Die Aufgabe besteht nun darin, diese Ohnmacht zulassen zu lernen.
Das klingt einfach, ist aber zutiefst bedrohlich. Denn unser Erleben sagt: Wenn ich die Ohnmacht zulasse, sterbe ich – so, wie es sich damals angefühlt hat. Deshalb geht es letztlich darum, dieses „Sterben" zuzulassen.
Was stirbt dabei? Nicht wir selbst, sondern die Überzeugung, alles bewältigen zu müssen, um überleben zu können. Es stirbt das Konzept, dass wir jede Belastung schaffen, kontrollieren oder verändern müssen, damit wir sicher sind.
Die Ohnmacht muss nicht verhindert oder vermieden werden. Sie darf da sein. Ihr dürft ohnmächtig sein. Ihr dürft scheitern. Ihr dürft Euch eingestehen, dass Ihr die Realität nicht nach Euren Vorstellungen verändern könnt.
Erlaubt Euch, ohnmächtig zu sein. Gesteht Euch ein, dass Ihr manches, von dem Ihr glaubt, es schaffen zu müssen, weder schaffen könnt noch schaffen müsst, um weiterleben zu können. Ihr dürft scheitern – und Ihr werdet dennoch weiterleben.
Ohnmacht bedeutet, dass wir nichts mehr machen können. Dann bleibt nur noch, uns dem Lauf der Dinge, dem Schicksal, Gott oder einer höheren Wirklichkeit anzuvertrauen.
Aus einer Haltung der Demut heraus – „Ich kann es nicht. Ich überlasse mich und den Lauf der Dinge einer größeren Kraft. Ich gestehe ein: Ich schaffe es nicht." – können sich neue Lösungen zeigen. Voraussetzung dafür ist jedoch das vollständige Annehmen der eigenen Ohnmacht und Begrenztheit, möglichst in einer Haltung der Liebe zu sich selbst. Dann können sich neue Türen öffnen.
Die problematischen Grundhaltungen, die wir in unseren Überlebensmustern entwickelt haben, sind Selbstverzicht, Selbstverneinung und Selbstverleugnung. Dadurch haben wir verlernt, uns selbst wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Die Folge ist, dass wir auch heute unsere eigenen Bedürfnisse häufig übergehen und dadurch immer wieder in Erschöpfungszustände geraten.
Neben der Annahme der eigenen Ohnmacht gilt es deshalb zu lernen, sich selbst mit den eigenen Werten, Bedürfnissen, Gefühlen, Grenzen, Kräften, Kapazitäten und Potenzialen kennenzulernen, wahrzunehmen und ernst zu nehmen.
Ich weiß nicht, ob oder in welchem Maß Du Dich in dem, was ich beschrieben habe, in Deiner persönlichen Situation wiederfindest. Ich hoffe jedoch, dass der dargestellte Zusammenhang zwischen Erschöpfung, Ohnmacht und Selbstverzicht bzw. Selbstverneinung für Dich hilfreich und anregend ist.
herzliche Grüße
Brigitte |